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Rezension

Weitere Bücher

  1. Die_bezaubernde_florentinerin

    Die bezaubernde Florentinerin

    Salman Rushdie

    Verlag: Rowohlt Verlag

    ISBN-10: 3498057839

    Preis: EUR 19.90

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„Ihn zu töten ist eine Ehre für mich, für jeden guten Moslem“

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Vor zwanzig Jahren verhängte Ayatollah Khomeini die Fatwa gegen Salman Rushdie. Dessen japanischer Übersetzer wurde ermordet, Rushdie selbst ging in den Untergrund. Eine Bilanz.

  1. Die_satanischen_verse

    Die satanischen Verse

    Salman Rushdie

    Verlag: Rowohlt Taschenbuch

    ISBN-10: 3499242575

    Preis: EUR 9.95

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Vor 20 Jahren verhängte Khomeini die Fatwa über Salman Rushdie. Sein Roman „Die satanischen Verse“ erzürnte Muslime in der ganzen Welt und ist doch einer der großen Romane des 20. Jahrhunderts.

Als Ayatollah Khomeini am 14. Februar 1989 die Fatwa über Salman Rushdie verhängte, setzte er in England Ereignisse in Bewegung, die das iranische Todesurteil an Dramatik noch übertrafen. Die Einwanderer vom indischen Subkontinent, für die sich Rushdie mit seinem literarischen und gesellschaftlichen Engagement eingesetzt hatte, verbrannten jetzt in den Straßen von London und Birmingham seine Bücher und forderten wutentbrannt seinen Kopf. Die Frau aber, die Rushdie in seinen Artikeln und Essays über Jahre auf das schärfste kritisiert hatte, hielt nun schützend ihre Hand über ihn. Der in Bombay geborene Rushdie hatte seit 1964 einen britischen Pass, und Margaret Thatcher, die britische Premierministerin, erklärte, dass der britische Staat gewaltsame Übergriffe auf seine Bürger nicht dulden würde. Wie sehr die „Eiserne Lady“ damals von linken Künstlern und Intellektuellen gehasst wurde, mag man sich heute kaum mehr vorstellen. Doch in diesem Testfall verteidigte sie die Prinzipien der Kunstfreiheit und der freien Rede. Rushdie, der sich bis dahin als linkskritischer Intellektueller verstanden hatte, als Antagonist gegenüber Staat und Regierung, verlor durch die Fatwa also nicht nur sein Leben in Freiheit, sondern auch seine politische Heimat.

Begleitet von der Häme ehemaliger Weggefährten und mit dem Schutz des alten Gegners, verkörpert durch den britischen Geheimdienst, ging also Rushdie für zehn Jahre in den Untergrund. Er schlief in Wohnungen ohne Fenster und wechselte mehrmals in der Woche das Domizil. Oft wachte er auf und wusste nicht einmal, in welcher Stadt er sich befand. Mittlerweile lebt Rushdie in New York. Ganz ohne Personenschutz kommt er zwar nicht aus, aber die Drohungen, die regelmäßig zum Jahrestag der Fatwa bei ihm eingehen, seien nicht mehr als „eine Art islamistischer Valentinsgruß“, so Rushdie. 
Damals aber, vor 20 Jahren, löste Rushdies vierter Roman eine globale Krise aus und demonstrierte so auf dramatische Art und Weise die Macht der Literatur. Bei gewaltsamen Protesten kam es zu hunderten von Toten, auf mehrere Buchhandlungen, die den Roman im Sortiment führten, wurden Bombenanschläge verübt. Der japanische und türkische Übersetzer des Buches wurden im Zuge der Fatwa ermordet. Dass es sich bei den „Satanischen Versen“ um einen der großen Romane des 20. Jahrhunderts handelt, wurde von den tragischen Ereignissen überschattet. Rushdies vierter Roman war bereits mit dem Whitebread Award für Best Novel of the Year ausgezeichnet worden, darüber hinaus war er Finalist für den bedeutenden Booker Prize. Jede weitere literarische Würdigung hätte für alle beteiligten Personen jedoch die Bedrohung von Leib und Leben bedeutet. Nicht zuletzt aus diesem Grund geriet die literarische Bedeutung dieses komplexen Kunstwerks zu Unrecht in Vergessenheit.

Dass Khomeini die Fatwa nicht allein aus religiösen oder machtpolitischen Gründen erlassen hat, sondern möglicherweise auch aus dem Motiv persönlicher Rache, ist ein nach wie vor hartnäckiges Gerücht. Schließlich war das wenig schmeichelhafte Porträt des im Westen exilierten Imams im Roman unmissverständlich dem iranischen Revolutionsführer gewidmet. Rushdie hatte Khomeinis Abhandlung über „Die Natur des Wassers“ gelesen und den darin enthaltenen Begriff von der „Reinheit“ als Gegenentwurf zu seiner eigenen Vorstellung einer pluralen, offenen Gesellschaft ausgemacht. Anstatt nun aber ein grotesk überzeichnetes Abbild eines religiösen Fanatikers zu zeichnen, entschloss sich Rushdie, mit einem psychologisch nüchternen Porträt die erbarmungslose Brutalität von Khomeinis Weltbild zu demaskieren – glaubwürdiger und nachhaltiger, als je eine Karikatur dazu imstande gewesen wäre.

Der eigentliche Stein des Anstoßes des Romans bezog sich indessen auf die negative Darstellung des Propheten und seiner Gefolgschaft. Rushdie ging es mit den „Satanischen Versen“ aber nicht um Provokation. Er wollte vielmehr zeigen, wie sehr jeglicher Anspruch auf religiöse Wahrheiten an das Irdische, menschlich Beschränkte gekettet ist und dass ein absoluter Wahrheitsanspruch zwangsläufig zu Grausamkeiten gegenüber dem anders Denkenden führen muss. Der dem Magischen Realismus verpflichtete Roman, der in seiner übergeordneten Erzählebene im multikulturellen London der Gegenwart angesiedelt ist, erkundet in wiederkehrenden Traumsequenzen des Schauspielers Gibreel Farishta die Entstehung des Islam. Mohammed, in den „Versen“ Mahound genannt, wird darin als Machtmensch beschrieben, der es versteht, eine vermeintlich göttliche Prophezeiung für seine politischen Ziele zu instrumentalisieren. „Wie praktisch, ein Prophet zu sein“, heißt es an einer Stelle.

Die „Satanische Verse“ sind in diesem Sinne ein Plädoyer für den Zweifel als kulturelle Errungenschaft, für den Skeptizismus als Mittel der Erkenntnis und als Prophylaxe gegen jede Form von Fundamentalismus und undemokratisch legitimierte Gewalt. Rushdie positioniert Ratio gegen Mythos, Verstand gegen Glauben. In diesem Sinne ist sein Roman ein klassisches und wertvolles Stück humanistischer Aufklärungsliteratur, das es nach wie vor zu entdecken gilt.

Lewis Gropp

 

DER REZENSENT: Lewis Gropp lebt als freier Journalist und Übersetzer in Köln. Seit 2003 ist er Redakteur von Qantara.de (Deutsche Welle Online).

 

Dieses Buch musste gedruckt werden

Reinhold Joppich, seit 25 Jahren im Vertrieb von Kiepenheuer & Witsch, setzte sich im Februar 1989 für die Veröffentlichung von Salman Rushdie ein. Mit litCOLONY sprach er über die damalige Angst, die Freiheit des Wortes und die Verantwortung eines Verlages.

 

 

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