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Rezension

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Viktor Papanek (1923-1998)

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Dosenradio

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Ablaufdiagramm

Viktor Papanek: Design für die reale Welt

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„Ich möchte lieber der beste Papanek sein als ein drittklassiger Wright“, sagte Victor Papanek und schmiss die Lehre bei Frank Lloyd Wright. Stattdessen verfasste Papanek ein Manifest für sozial verantwortliches und ökologisch bewusstes Design. Das ist jetzt neu auf Deutsch erschienen.

  1. Victor_papanek_design_fuer_die_reale_welt_edition_angewandte

    Victor Papanek: Design für die reale Welt. Edition Angewandte

    Victor Papanek

    Verlag: Springer-Verlag KG

    ISBN-10: 3211788921

    Preis: EUR 39.95

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„Ich möchte lieber der beste Papanek sein als ein drittklassiger Wright.“ Mit diesen Worten quittierte der Wright-Schüler Victor Papanek die Zusammenarbeit mit dem großen Architekten. Die Lehre bei Frank Lloyd Wright war ihm zu sehr auf dessen Person fixiert. Aber trotz dieses polternden Abgangs sollte der Einfluss Wrights auf den jüngeren Kollegen stark bleiben, als Utopist und Gestalter, der sich mit dem Verhältnis zwischen Moderne und Natur und Umwelt beschäftigte.

Papanek, 1923 in Wien geboren und 1939 in die USA emigriert, hat sich einen Namen gemacht als vehementer Verfechter von sozial und ökologisch verantwortungsbewusstem Design, sein Buch „Design for the real world. Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel“, 1971 erstmals erschienen und 1984 aktualisiert, gehört zu den wichtigsten Schriften im Bereich der Gestaltung und ist nach wie vor aktuell.

Mit seinem polemischen und populärwissenschaftlichen – dabei oft satirisch-witzigen – Stil hat sich Papanek aber nicht nur Freunde gemacht: „Es gibt Berufe, die mehr Schaden anrichten als der des Industriedesigners, aber viele sind es nicht“, das ist der erste Satz des Buchs. Und weiter: „Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass erwachsene Menschen sich hinsetzen und ernsthaft elektrische Haarbürsten, strassbesetzte Schuhlöffel und Nerzteppichböden für Badezimmer entwerfen, um dann komplizierte Strategien auszuarbeiten, wie man diese erzeugen und an Millionen Menschen verkaufen kann.“

Papanek hat diese Zeilen nicht selbst getippt, er hat sie diktiert, und man kann sich gut vorstellen, wie er sich in Rage redet über Designer, die sexy Toaster, Windeln für Wellensittiche oder beheizbare Fußschemel entwickeln.

Papanek hatte andere Vorstellungen davon, was Gestalter tun sollten: sich Dinge einfallen lassen, die den Menschen in Entwicklungsländern den Alltag erleichtern – und die dort unter den entsprechenden Bedingungen hergestellt werden können. Ein berühmtes Beispiel ist das Dosenradio, bestehend aus einer alten Blechbüchse und einem Transistor. Statt mit Batterien oder Strom wird es mit Paraffin und einem Docht betrieben. Herstellungskosten 1966: neun Cent.

Mit solchen Ideen konnte Papanek nicht überall punkten, schon gar nicht in Deutschland, wo in der Tradition des Bauhauses strikte Ansichten über „gutes Design“ herrschten. Einmal stellte Papanek sein Dosenradio an der damals renommierten Ulmer Hochschule für Gestaltung vor – das Gerät sei „hässlich“, war die Reaktion, und ob man es nicht wenigstens grau lackieren könne?

Vielleicht ist diese grundlegenden Differenzen ein Grund dafür, dass es bislang nur eine Ausgabe in deutscher Sprache von „Design for the real world“ gab. Nun aber, zum zehnten Todestag Papaneks, ist eine neue deutsche Übersetzung erschienen, editiert von Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, sowie Martina Fineder, Thomas Geisler und Florian Pumhösel. Die Herausgeber arbeiten gerade den Nachlass von Victor Papanek auf und haben das Buch mit biografischen, kommentierenden und kritischen Anmerkungen versehen. Nach der Lektüre bleibt der Eindruck: Sein Ziel, aus Wrights Schatten zu treten und einen ganz eigenen Weg zu gehen, hat Papanek erreicht.

von BARBARA BUCHHOLZ

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