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Rezension

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Mithu M. Sanyal © Privat

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© Nationalmuseum Kopenhagen

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© Berliner Medizinhistorisches Museum (BMM) an der Charité Berlin

Insgeheim lieben es Frauen, über ihre Vagina zu sprechen

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Die Journalistin Mithu M. Sanyal hat eine Kulturgeschichte der Vulva geschrieben

  1. Vulva

    Vulva

    Mithu M Sanyal

    Verlag: Wagenbach

    ISBN-10: 3803136296

    Preis: EUR 19.90

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Mit 15 wollte sich Mithu M. Sanyal eine Vulva zum An-die-Wand-Hängen und Streicheln nähen. Und musste feststellen, dass sie keine Ahnung hat, wie sie aussieht. Ihre Recherchen mit Handspiegel und in der örtlichen Leihbibliothek brachten nur ein Ergebnis: Die Vulva ist eine Unbekannte, eine Unerwünschte. Wenn überhaupt über die Vulva gesprochen wird, dann mit negativer Konnotation: Für Freud ist sie Anlass für Penisneid, Roland Barthes erklärt, eine Frau, die ihr Geschlecht zeigt, enthülle einen Mangel, ein Defizit.

Um die positive Rede über die Vulva zu befeuern, hat Sanyal mit „Vulva. Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ eine Kulturgeschichte der Vulva geschrieben. Und liefert damit jede Menge Gesprächsstoff. Wir erfahren, dass Andreas Vesalius in seinem Grundlagenwerk der modernen Anatomie das weibliche Geschlecht als dem männlichen identisch beschrieb, nur eben innerhalb des Körpers. Dass es im Internet ein Online-Vulva-Museum gibt und dass die Vulva in alten Mythen eine mächtige Zauberin war: In Südindien konnte sie Stürme beruhigen und in der griechischen Mythologie wurde der unbesiegbare Held Bellerophon durch kollektives Entblößen des weiblichen Geschlechts in die Flucht geschlagen.

Sanyal versammelt in diesem höchst nötigen und lesenswerten Buch aber nicht nur Anekdoten. Ihre Reflexionen über Feminismus und Gendertheorien sind klug, souverän und bestechend, z.B. wenn sie über den ausschließlich männlichen Voyeurismus des Kinos spricht: „Der Frau fehlt die Autorität, eine Situation mit ihrem Blick zu kontrollieren. Das geht so weit, dass erotische Filme von Filmemacherinnen […] als homoerotisch wahrgenommen werden, als wäre ein weiblicher begehrender Blick undenkbar.“

Nach der Lektüre dieses Buches versteht man ein bisschen besser, warum Charlotte Roche mit ihren Feuchtgebieten ein derartiger Tabubruch gelang: Es ging nicht um die Hämorriden, die selbst gebastelten Tampons oder die Intimrasuren, sondern um ihre schamlose Betrachtung und Benennung von etwas, das man nicht betrachtet und nicht beim Namen nennt. Und vielleicht auch darum, dass sie deutlich sagt, dass niemand, der eine Vulva hat, einen Grund hat, auf einen Penis neidisch zu sein.

                                                   von Traudl Bünger

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