Rezension
Abbildung aus "Lost and Sound" Bar 25 © lucy & coma
Abbildung aus "Lost and Sound" Bar 25 © lucy & coma
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Zum Tanzen in die Hauptstadt: Spätestens mit Entstehung der Billigflieger ist Berlin endgültig das globale Zentrum elektronischer Musik. Für Ausgehwillige genauso wie für DJ’s und Produzenten.
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Lost and Sound
Rapp, Tobias
Verlag: Suhrkamp Verlag KG
ISBN-10: 3518460447
Preis: EUR 8.50
Es gibt diesen berühmten Satz von Ewan Pearson.: "In Berlin", so der Londoner DJ und Produzent, "könne man mit einem Löffel auf einen Kochtopf schlagen; solange es im Rhythmus wäre, würde niemand nach Hause gehen." Auch Autor Tobias Rapp ist unzählige Male im Nachtleben der Hauptstadt abgetaucht. Seit 19 Jahren zieht er durch die Clubs und hat seine Eindrücke nun in dem Buch `Lost and Sound´ zusammengefasst.
Entstanden ist ein Werk über Berlins Technokultur in ihrem „popkulturellen Idealzustand“. Ein Buch, das nachvollziehbar werden lässt, warum die deutsche Hauptstadt nach wie vor die weltweit angesagteste Adresse für Anhänger elektronischer Musik ist. Wer die 250 Seiten hinter sich gebracht hat, den hält es jedenfalls kaum noch im Sessel. Der möchte eintauchen in die faszinierende und überaus energiegeladene Clubkultur mit all ihren Facetten.
Wenn die Clubs die Pforten öffnen
Das Inhaltsverzeichnis des Buches erinnert an einen Terminkalender. Rapp hat die Kapitel nach Wochentagen geordnet, an denen in Berlin die Clubs ihre Pforten öffnen. Die Woche beginnt an einem Mittwoch und endet für die meisten Partygänger irgendwann im Verlauf des Montags.
Dabei schreibt Musikjournalist Rapp keineswegs stringent über Pflicht-Locations und typische Szenen am jeweiligen Wochentag. Vielmehr schiebt er zwischen die Wochentage abwechslungsreiche Geschichten rund um sein Kernthema: Berliner Technokultur. Gespräche mit DJs, Produzenten, Partygängern, Veranstaltern und Bauherrn gehören genauso zum Inhalt wie beispielsweise die Zutaten elektronischer Tanzmusik sowie der Status der Plattenlabel.
Man merkt schnell: Berlin und seine Elektroszene fesseln den Autor ungemein. `Lost and Sound´ ist dann zwar ein Sachbuch im weitesten Sinne, aber es lebt von Rapps persönlichen Eindrücken und Erlebnissen in Berlins Ausgehmeile zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Eine historische Einordnung der Szene und ihrer Musik ist hingegen nicht sein Anliegen. „Die Beschäftigung mit der Geschichte kann man sich guten Gewissens für die Tage aufheben, an denen weniger los ist“, schreibt Rapp. Richtig so, die Zeit ist knapp. Man möchte dabei sein, wenn der Autor sich an den Türstehern vorbei in die dunklen Ecken der Clubs stürzt. Die treibende House-Musik spüren, im ‚Berghain’ zum Beispiel oder in der ‚Panoramabar’, die laut Rapp in einer guten Nacht „die besten Tanzflächen der Welt“ besitzen.
Billig hinkommen, billig bleiben
Bemerkenswert ist im Übrigen der von Rapp hergestellte Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Berlins Elektro-Szene und des fulminanten Wachstums der Billig-Fluglinien. Rapp spricht vom so genannten Easyjetset, wenn an den Wochenenden zahlreiche Partywillige aus ganz Europa zum Taxitarif in die Hauptstadt fliegen, genau wie die DJs von internationalem Format. So hat die Liberalisierung des Flugverkehrs dem Nachtleben einen regelrechten Schub versetzt. Billig hinkommen, billig bleiben, ist die Devise. Bei steigender Vielfalt des Angebots. Mehr oder weniger offen geben die Berliner Clubmacher zu, „dass ohne die Easyjetraver jede dritte Laden hätte schließen müssen“. Wer hätte gedacht, dass die Tanzwilligen mittlerweile derart Einfluss auf Berlins marode Haushaltskasse haben.
Von MALTE KNUTH
DER REZENSENT: Malte Knuth, Jg. 1977, lebt als Autor und freier Journalist in Köln.
Mitglieder Kommentare (1)
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janek70
Die Rezension hört sich spannend an. Es könnte eine gute Lektüre für die nächste Reise nach Berlin werden. Ein paar Links zu den im Buch beschriebenen Clubs wären hier noch interessant.

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25/03/2009, 14:15