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Rezension

Ruprecht

Die Vorlage für das Buchcover stammt von dem Berliner Künstler Ruprecht von Kaufmann

Der Verleger Axel von Ernst über die Wiederentdeckungsgeschichte von Herbert Schlüters "Nach fünf Jahren"

Der weite Weg des Herbert Schlüter

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Ein 13-jähriger Junge und ein Sommer am See; eine Rückkehr nach fünf Jahren. Eine brandenburgische Lolita, die unerwiderte Liebe zu einem Dichter – und ein verwunschenes Landgut an der Havel, das alle Besucher mit einer unheilbaren Melancholie zu infizieren scheint: Herbert Schlüters Debütroman aus den 1920ern – wiederentdeckt nach 61 Jahren.

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    Nach fünf Jahren. Lilienfeldiana, Band 3

    Herbert Schlüter

    Verlag: Lilienfeld Verlag

    ISBN-10: 3940357065

    Preis: EUR 19.90

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Als Herbert Schlüter 1933 freiwillig ins Exil ging, war er 27 Jahre alt. Er hatte eine Novelle veröffentlicht, seine Erzählungen wurden in Zeitungen und Anthologien gedruckt. Klaus und Erika Mann schätzten ihn wegen seiner „besonderen Sensibilität“ und „zarten Eindringlichkeit der Psychologie“. Sein erster Roman „Nach fünf Jahren“ stand unmittelbar vor der Fertigstellung – kurz: Herbert Schlüter war eines jener vielversprechenden Talente jener Jahre, denen die Welt offenzustehen schien. Und für die sich mit der Machtergreifung der Nazis alles änderte.

Der lange Weg des Exilanten

Schlüter erkannte schnell die Zeichen der Zeit und handelte entschlossen: Ein Weiterleben im „national erwachten“ Deutschland war für ihn ausgeschlossen. Wie viele frühe Exilanten aus Kunst- und Literaturkreisen verschlug es ihn zunächst über Frankreich nach Mallorca, wo er in einem kleinen Fischerdorf Zuflucht fand. Doch auch die Baleareninsel blieb vom Terror der Franco-Faschisten nicht verschont, und Schlüter wurde zum erneuten Aufbruch gezwungen. 1937 reiste er gemeinsam mit dem jungen William Borroughs durch Montenegro und Albanien. Die Folgejahre verbrachte er in Italien, immer von finanziellem Elend bedroht, kaum fähig zu arbeiten. Bei einem Aufenthalt in Florenz geriet er schließlich ins Blickfeld der deutschen Militäradministration – und wurde groteskerweise zur Wehrmacht eingezogen: Denn noch immer war Schlüter deutscher Staatsbürger. Um ein Ausreisevisum in die USA hatte er sich jahrelang vergebens bemüht.

Wieder lieferbar – 61 Jahre nach der Erstveröffentlichung

Herbert Schlüter hat den Krieg überlebt, und sein 1933 fertig gestellter Roman „Nach fünf Jahren“ ist 1947 tatsächlich in einem kleinen Münchner Verlag erschienen – jedoch ohne größere Beachtung zu finden. Als er 2004 starb, hatte er sich als Übersetzer von Autoren wie Aldous Huxley und Giorgio Bassani einen Namen gemacht. Als Romancier war er hingegen vergessen.
Dank einer Neuauflage kann man Schlüter nun endlich auch als Prosa-Autor wiederentdecken: 61 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist sein Debütroman wieder lieferbar – und ein wunderbares Stück Literatur, wie sich zeigt.
Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Landguts namens „Wolkin“, irgendwo im Havelland in den 20er Jahren. Hier verbringt der Neffe der Gutsbesitzerin seine Ferien – ein Sommer, den er nie vergessen wird. Ebenso wenig wie die anderen Bewohner und Gäste des Hauses, denn für alle werden diese Augustwochen zu einer Schicksalszeit. Die 15-jährige Isolde gerät in ein Beziehungsdreieck zwischen dem Gärtnersohn Robert und ihrem eigenen Onkel, der sie schließlich nach Paris entführt; Viktoria, die Gutsherrin, beginnt über ihre unerwiderte Liebe zu einem Dichter zu erblinden – und Peter selbst wird eingesponnen in ein seltsames Ränkespiel um Liebe und Verschwiegenheiten: ein Spiel, das sich auf gespenstische Weise fortsetzt, als alle Gäste fünf Jahre nach dem ersten Treffen erneut in Wolkin zusammentreffen ...
„Nach fünf Jahren“ ist ein Roman über die gespenstische Intensität von Erinnerungen und die Unwiederbringlichkeit des Vergangenen – eine kleine Kostbarkeit, die man nun dank des Düsseldorfer Lilienfeld Verlags in einer bibliophilen Ausgabe neu entdecken kann. Und sollte!

von JAN VALK

 

DER REZENSENT: Jan Valk, Jg. 1978, lebt als freier Journalist und Literaturlektor in Berlin und Köln.

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