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Rezension

Gegen Angst hilft nur die Wahrheit

starstarstarstarstar(1)

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Garman ist sechs Jahre alt und erlebt seinen letzten Sommer vor der Schule. "Garmans Sommer" ist ein kunstvolles Bilderbuch über Angst und Neugier, spannend wie das Leben. Ab 6 Jahre

  1. Garmans_sommer

    Garmans Sommer

    Stian Hole

    Verlag: Hanser

    ISBN-10: 3446233148

    Preis: EUR 14.90

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Garman will eine Batman-Mütze, bekommt aber – wie in jedem Jahr – eine selbstgestrickte Mütze mit Bommel.
Weil Garman sechs Jahre alt ist, befinden sich daher stolze sechs Bommelmützen in seinem Besitz (und keine Batman-Mütze).
Weil Garman sechs Jahre alt ist, ist das sein letzter Sommer vor der Schule – der letzte Sommer mit den drei alten Tanten im paradiesischen Garten vor dem Haus.

Das unliebsame Geschenk kommt von Garmans Tanten, die den Sommer bei Garman, Mama und Papa verbringen. Und was für Tanten das sind – sie sind alt, uralt – das sieht man Ihnen definitiv an: In Nahsicht kann Garman die weißen Härchen an Tante Borghilds Kinn zählen und manchmal schwimmen die Zähne der Tanten in einem Glas mit Wasser! Das alles findet Garman aber nicht schlimm – im Gegenteil – höchst interessant ist es ihre Falten zu betrachten, die für Garman aussehen wie Jahresringe.

Aber etwas stört ihn doch in diesem Sommer. Da ist ein neues, flaues Gefühl im Bauch, das sich dort wegen der Schule eingenistet hat – und es sind keine Schmetterlinge, wie Tante Ruth behauptet!  Ganz trocken erklärt Garman es seinen Tanten: „Ich habe Angst“.
Und mit diesen drei Worten löst Garman eine  Lawine aus. Es stellt sich folgendes heraus:  Tante Ruth hat Angst vor dem Winter und dem neuen Rollator (Garman bietet ihr daraufhin an sein Skateboard zu benutzen), Tante Borghild hat Angst vor dem Sterben und Tante Augusta kann sich nicht mehr erinnern, wovor sie eigentlich Angst hat. Garman muss sogar feststellen, dass auch Mama und Papa von Ängsten geplagt werden, auch wenn sie nicht gerne davon sprechen. Ganz nachdenklich werden sie dann, manchmal verlegen, manchmal auch traurig.

In diesem letzten Sommer  vor der Schule lässt der norwegische Autor Stian Hole die Angst in das Kinderparadies von Garman einziehen. Und sie kommt nicht in Form von Schatten, schleimigen Monstern oder sonstigen Phantasiegestalten, sie kommt ganz einfach als Teil des Lebens.

Es ist beeindruckend, wie der Autor diese simple Tatsache mit seinen neuartigen Illustrationen auszudrücken vermag. Fotorealistische Gesichter kombiniert er mit Stoffmustern der 30er und 50er Jahre, detailgetreue Blumenillustrationen, die an Glanzbilder aus Mutters Zeiten erinnern, treffen auf vergilbte Fotografien der 30er Jahre.
So entsteht durch das Collagieren verschiedener Bildmaterialien eine surrealistisch anmutende Welt, in der Raum und Zeit eine untergeordnete Rolle zu spielen scheinen. Es ist Garmans Blick auf die Welt, eine kleine Vorgartenwelt zwar mit wenigen Ausblicken, aber voller grundlegender Einsichten.

Nicht zuletzt deshalb endet diese Geschichte auch nicht in der Auflösung aller von Garman gehegten Ängste, sondern in ihrer Anerkennung:
„Als Garman seinen Rucksack zumacht, spürt er einen kühlen Luftzug. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie vom Apfelbaum das erste Blatt herunterfällt. Vorm Schlafengehen prüft er ein letztes Mal, ob einer seiner Zähne lose ist. Es sind noch dreizehn Stunden, bis die Schule anfängt. Und Garman ist ein bisschen mulmig.“
Das Leben, ersehen wir aus dieser Geschichte, ist voller Phantasie, voller wunscherfüllender Marienkäferpunkte, voller Aufregungsschmetterlinge im Bauch und voller Himmelsgärten. Aber Garman versteht, dass Phantasie nicht alles sein kann. Stilles Wünschen bringt nicht die ersehnte Batman-Mütze, Schmetterlinge sind es nicht, die dieses flaue Gefühl im Bauch verursachen, und bevor man in einem prächtigen Wagen die Reise ins Jenseits antritt, wird man erst bei den Würmern begraben und dann zu Erde.
Phantasie macht das Leben schöner, aber die Angst leider nicht kleiner – das vermag Offenheit, letztlich nur die Wahrheit.

Stian Hole hat ein Buch geschrieben, oder besser erfunden, das anders ist als viele zuvor. Es ist ein bisschen gruselig, manchmal ekelig und oft beängstigend. Es ist vor allem unglaublich spannend, wie das Leben.

von ANTJE RÖTTGERS

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Leseprobe "Garmans Sommer"

Mitglieder Kommentare (2)

  • Jan_red

    janek70

    25/03/2009, 15:05

    Ein sehr schön illustriertes Buch, keine Frage (Leseprobe unbedingt anschauen!). Für viele erwachsenen Kinder sicherlich eine unterhaltsame Lektüre. Die Eltern der Sechsjährigen (Empfehlung ab 6 Jahre) müssten vor der Anschaffung jedoch selbst beurteilen ob Ihr Sprössling solchen Vorlesegeschichten schon gewachsen sei und ob man mit Büchern die "gruselig, manchmal ekelig und oft beängstigen" sind nicht noch ein paar Jahre warten sollte.

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  • sampo

    24/11/2009, 13:48

    Kinder kommen mit so etwas besser zu Rande, als man denken mag, zu mal die Illustrationen auch etwas Lustiges und Schräges in sich tragen. Ich hoffe, dass das zweite Buch von Stian Hole um Garman möglichst bald auf den deutschen Markt kommt.

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