Kolumne
Alexa Hennig von Lange, 1973 in Hannover geboren, lebt als Autorin in Berlin. Sie veröffentlichte zahlreiche Erzählungen und vier Romane, zuletzt "Risiko" (DUMONT, 2007). (Foto © Stephan Rabold)
Weitere Bücher
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Relax
Alexa Hennig von Lange
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN-10: 3499224941
Preis: EUR 8.95
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Alexa Hennig von Lange
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN-10: 3499229706
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Woher ich komme
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Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN-10: 349923338X
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ISBN-10: 3499237997
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Warum so traurig?
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ISBN-10: 3499233479
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Risiko
Alexa Hennig von Lange
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ISBN-10: 3832179992
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Leute, ich fühle mich leicht. cbt Hardcover
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ISBN-10: 3570160033
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Ukrainian Soul: The Story of the Family Volkoff from Borzna
David S. Duval
Verlag: Lightning Source UK Ltd
ISBN-10: 0595664504
Preis: EUR 19.99
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Petra Oelker
Verlag: Hamburger Abendblatt
ISBN-10: 3939716626
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Hamburg - die Elbe und das Wasser sowie weitere wasserhistorisch...
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Verlag: Books on Demand GmbH
ISBN-10: 3837023478
Preis: EUR 62.00
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Alexa Hennig von Lange hat Angst, erschossen zu werden
Es ist ja nun so, dass ich unter einem gewissen Verfolgungswahn leide. Ich bin nicht die Einzige, das sage ich mir immer wieder. Nicht nur ich rechne damit, dass man mich umbringt. Und zwar aufgrund von Geringfügigkeiten:
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Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland
Benjamin Maack
Verlag: Minimal Trash Art
ISBN-10: 3980878864
Preis: EUR 10.90
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Weil ich beispielsweise in einem meiner Bücher eine Nebenfigur auftauchen lasse, die an eine Person aus meinem Umfeld oder der Vergangenheit erinnert. Ich rechne damit, erschossen zu werden. Bei einer Lesung. Vor Publikum. Darum habe ich eine Liste aller Geringfügigkeiten und Nebenfiguren erstellt und in meine Schreibtischschublade gelegt. Im Falle meines plötzlichen Todes könnte diese Liste sehr schnell zum Mörder führen. Macht das jeder so? Vermutlich.
Gerade Schriftsteller leben ähnlich gefährlich – und leiden unter ähnlichen Fantasien. Denn: Jeder Schriftsteller – fast jeder Schriftsteller – lässt in seinen Romanen Nebenfiguren auftauchen, die Teile real existierender Menschen aus seinem Umfeld, der Vergangenheit und Gegenwart beinhalten. Und natürlich sind das immer jene Facetten, die ihm als besonders grotesk oder verstörend auffallen. Schließlich sollen sich die Leser amüsieren. Das psychologische Gespür zeichnet den herausragenden Schriftsteller aus – ihm bleibt also gar nichts anderes übrig, als sich ständig und gegen alle Vernunft bei seinen Mitmenschen zu bedienen. Schlimm ist nur, dass sich nicht nur die wiedererkennen, bei denen man sich tatsächlich bedient hat – sondern auch jene, die man längst nicht mehr „auf dem Schirm“ hatte. Diese unbestimmbare Masse wartet irgendwo im Dunklen, unsichtbar, unberechenbar, bis einer von ihnen mit Schwung heraustritt. Ich sehe ihn vor mir …
Nun gibt es aber auch Schriftsteller – nicht nur einen – schon Bukowski hat das so gemacht –, die ihren Hauptpersonen einfach den eigenen Vor- oder Nachnamen verpassen. Benjamin Maack aus Hamburg macht das so. In seinem recht spröden, mit „großem psychologischem Gespür“ geschriebenen Erzählband „Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland“ heißen die Hauptfiguren in all seinen Geschichten Benjamin. Und so, wie ich damals, in frühester Jugend, das Bukowski’sche Werk durchgearbeitet habe und bei mir dachte: Dieser Bukowski imaginiert sich aber gut in die Fiktion hinein, so denke ich nun beim Lesen: Dieser Benjamin fügt sich aber gut in das Erdachte ein. Natürlich sind auch seine elf Kurzgeschichten nicht ausschließlich erdacht – das merke ich daran, dass ich beim Lesen ständig unter Flashbacks leide, so, als hätte ich das, was ich da gerade lese, selbst erlebt – und doch wird niemand zu ihm sagen können: „Moment, warum erzählst du meine Geschichte?“ Denn Benjamin Maack könnte einfach sagen: „Wieso deine? Es ist meine! Schließlich habe ich sie doch – wie du lesen kannst – selbst erlebt.“
Das heißt – ich kann das allerdings nur vermuten, da ich mich nicht persönlich mit dem Autor darüber unterhalten habe –, Benjamin Maack hat sein eigenes Erleben, das, was ihn gedanklich und gefühlsmäßig beschäftigt, mit dem, was er beobachtet und von anderen erzählt bekommen hat, gemischt, aufgeschrieben und als seine eigene Geschichte getarnt. So schützt er sich vor wütenden Zugriffen. Wobei es bei diesem schreiberischen Vorgehen ein anderes Problem gibt: „seine Eltern“. Denn: In all diesen versammelten Kurzgeschichten tauchen sie auf – egal, ob es sich bei den Beschriebenen nun wirklich um „seine“ eigenen Eltern handelt oder um die des real existierenden Nachbarjungen oder in Wahrheit seine Tante und sein Onkel sind oder die Eltern seiner ersten Freundin – die Leser und Nachbarschaft werden sie immer als „seine“ eigenen erkennen wollen. Jeder hat nur eine Mutter und einen Vater – denken sich die Leute. Und hier gelingt Benjamin Maack ein weiterer Geniestreich: Anders als wirklich alle anderen Schriftsteller demontiert er „seine“ Eltern nicht, sondern macht sie zu Hoffnungsträgern. Sie haben den Dreh raus, sie wissen, wie es geht, gemeinsam glücklich zu bleiben. „Das liegt daran, dass meine Eltern Super-Eltern sind. Nicht, dass sie mir alles kaufen, was ich will, sondern die Sorte Eltern, bei denen Schulfreunde einen zu Hause besuchen, um in Wirklichkeit die Eltern kennenzulernen.“
Gerade sehe ich ein paar Bilder vor mir: ich in der DDR, kurz vor Mauerfall, hinter mir die obligatorische Eiermann-Fassade. Ein paar Punks schenken mir die Ummagumma von Pink Floyd. Dafür gebe ich ihnen mein afrikanisches Halstuch. Diese Sequenz hat mit Benjamin Maacks Geschichten nicht viel zu tun. Und doch: Seine Erzählungen tragen all die Farben und Gerüche und Geräusche dieser Zeit in sich. Wenn man so will, ist sein Erzählband ein Transportmittel einer vergangenen Ära, die uns allen gehörte oder der wir angehörten, und so erzählt er eben nicht nur seine Geschichte, oder die eines guten Freundes, sondern auch unsere und meine. Und niemand wird kommen und sagen: „Das hättest du nicht schreiben dürfen. Das gehört mir ganz allein.“
